Eine nationale Plattform für Threat Intelligence
Deutschland befindet sich in einem geopolitischen Kontext, in dem die Cyberdomäne integraler Bestandteil der Sicherheitspolitik ist. Bedrohungsakteure – hauptsächlich durch Ransomware-Angriffe und DDoS – wiederverwenden Schwachstellen und hinterlassen Spuren in Form von IP-Adressen, Domainnamen und TTPs (Tactics, Techniques and Procedures).
Trotz breitem Konsens über den Nutzen des Informationsaustauschs fehlte bisher eine gemeinsame nationale Plattform. Das Ergebnis war, dass wertvolle Bedrohungsinformationen in einzelnen Organisationen verblieben.
MISP DE adressiert diesen strukturellen Mangel und steht im Einklang mit der nationalen Cybersicherheitsstrategie, der NIS2-Richtlinie und dem NIS2UmsuCG.
Was ist MISP?
MISP (Malware Information Sharing Platform) ist eine Open-Source-Plattform ohne Lizenzkosten. Der Workflow besteht aus fünf Schritten:
| Schritt | Beschreibung |
|---|---|
| 1. Sammlung | Bedrohungsindikatoren sammeln |
| 2. Normalisierung | Daten in Standardformaten strukturieren |
| 3. Anreicherung | Kontext und Metadaten hinzufügen |
| 4. Korrelation | Zusammenhänge zwischen Indikatoren finden |
| 5. Austausch | Verteilung an angeschlossene Organisationen |
Die Plattform verarbeitet:
- IP-Adressen und Domains
- Checksummen (Hash-Werte)
- SSL-Zertifikate
- MITRE ATT&CK-Mapping
- Zeitlinien und Zusammenhangsgraphen
Der Anschluss erfolgt über Weboberfläche oder API. API-Integration in SIEM, IDS und Firewalls wird für operativen Nutzen empfohlen – dann können Blockierungen automatisch basierend auf geteilten Bedrohungsinformationen erfolgen.
Zeitplan für MISP DE
Pilotprogramm mit ausgewählten Organisationen für Tests und Validierung läuft bereits.
Öffnung für öffentlichen Sektor – Kommunen, Länder und Bundesbehörden können Anschluss beantragen.
Privatwirtschaft wird nach Stärkung der rechtlichen Grundlagen einbezogen. Entsprechende Gesetzgebung ist in Vorbereitung.
Ausbau der Funktionalitäten und Integration in das nationale Cybersicherheitszentrum unter BSI-Führung.
Wer kann sich anschließen?
Anschlusskriterien:
Die Organisation muss in Deutschland etabliert sein und mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllen:
- Betreibt kritische Infrastrukturen
- Fällt unter das NIS2UmsuCG
- Ist Bundesbehörde oder Landesbehörde
- Erbringt wesentliche IT-Dienste oder Sicherheitsdienstleistungen für obengenannte Organisationen
Anschlussmethoden:
- Direkter Account — Zugang über Weboberfläche
- Synchronisation — Eigene lokale MISP-Instanz synchronisiert mit MISP DE (empfohlen)
Nutzen für verschiedene Organisationen
MISP DE bietet Zugang zu Deutschland-spezifischen Artefakten, die kommerzielle Threat Feeds selten abdecken. Lokale Bedrohungsakteure und Kampagnen gegen deutsche Ziele werden schneller erkannt.
Kostenfreier Zugang zu Echtzeit-Bedrohungsinformationen trotz knapper Ressourcen. Schnellere Blockierung schädlicher Indikatoren und Grundlage für Risikoanalysen sowie zielgerichtete Schulungsmaßnahmen.
Empfehlung für den Einstieg
- Interne Verankerung — Führungsunterstützung und Verständnis für den Nutzen sicherstellen
- Schulung — Sicherstellen, dass entsprechende Kompetenzen für Interpretation und Umsetzung von Bedrohungsinformationen vorhanden sind
- Konsumieren beginnen — Daten empfangen und in Ihre Sicherheitssysteme integrieren
- Teilen wenn bereit — Eigene Bedrohungsinformationen beitragen, wenn Vertrauen und Verständnis gewachsen sind
Wichtig: Es ist nicht zwingend erforderlich, vom ersten Tag an Informationen zu teilen. Beginnen Sie mit dem Konsumieren.
Neue Services vom BSI
Neben MISP DE entwickelt das BSI weitere Services:
Scanning-Services Systematische Identifikation der Angriffsfläche von Organisationen – eine Weiterentwicklung bestehender BSI-Dienste zur Schwachstellenanalyse.
Nationales Monitoring Kontinuierliche Überwachung der Internet-Exposition deutscher Organisationen. Umsetzung in Kooperation mit privaten Anbietern unter BSI-Koordination. Start geplant für 2025/2026.
Häufige Fragen
Personenbezogene Daten sollen nicht in MISP DE geteilt werden. Das System verfügt über eingebaute Kontrollen. Die Auslegung der BfDI bezüglich IP-Adressen als personenbezogene Daten wird berücksichtigt.
Nein, vollständig freiwillig, aber stark empfohlen vom BSI und nationalen Cybersicherheitszentrum.
Der Beitragende führt die erste Prüfung durch, das BSI unterstützt, und die eingebauten Warning Lists des Systems helfen dabei, falsche Indikatoren zu filtern.
Ja, MISP DE unterstützt APIs für Integration in SIEM, IDS, Firewalls und andere Sicherheitssysteme.
Verbindung zu NIS2 und NIS2UmsuCG
MISP DE unterstützt mehrere Anforderungen der NIS2-Richtlinie und des deutschen NIS2UmsuCG:
- Incident Reporting — Indikatoren im Zusammenhang mit Vorfällen teilen
- Risikomanagement — Bedrohungsinformationen für Risikobewertungen nutzen
- Lieferkettensicherheit — Bedrohungen für Unterlieferanten identifizieren
- Zusammenarbeit — Anforderungen zum Informationsaustausch mit Behörden erfüllen
So kann Securapilot helfen
Securapilot unterstützt Organisationen dabei, den Nutzen von MISP DE zu maximieren:
- Incident Management — Bedrohungsinformationen in Ihre Incident-Prozesse integrieren
- Risikomanagement — MISP-Daten als Input für Risikobewertungen nutzen
- NIS2-Compliance — Ihre Arbeit mit Threat Intelligence dokumentieren und nachverfolgen
- Lieferantenprüfung — Indikatoren im Zusammenhang mit Ihren Lieferanten überwachen
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Häufig gestellte Fragen
Was ist MISP DE?
MISP DE ist Deutschlands nationale Plattform für Cyber-Threat-Intelligence, basierend auf Open Source. Sie wird vom BSI betrieben und ermöglicht Organisationen den Austausch von Bedrohungsinformationen wie IP-Adressen, Domains, Hashes und TTPs.
Wer kann sich an MISP DE anschließen?
In Deutschland etablierte Organisationen, die kritische Infrastrukturen betreiben, unter das NIS2UmsuCG fallen, Bundesbehörden sind oder wesentliche IT-Dienste für solche Organisationen erbringen. Zunächst öffentlicher Sektor, später Privatwirtschaft.
Entstehen Kosten für den Anschluss an MISP DE?
Nein, MISP DE ist vollständig kostenfrei. Die Plattform basiert auf Open Source ohne Lizenzkosten.
Müssen wir Informationen teilen um anzuschließen?
Nein, das ist freiwillig. Die Empfehlung lautet, zunächst Daten zu konsumieren und später zu teilen, wenn Vertrauen und Verständnis gewachsen sind.